Der Sommer stand Pate für die jüngste Sonntagsmusik in der Herborner Stadtkirche

Kompositionen des Barock und der Romantik ließen die Lust am Leben aufkommen

Herborn (pli). Der Sommer stand Pate bei der jüngsten Sonntagsmusik der evangelischen Kirchengemeinde, die eine große Zuhörerschar in die angenehm kühle Stadtkirche Herborn lockte.

Auf dem Programm standen Kompositionen des Barocks und der Romantik, die die Freuden der warmen Jahreszeit und die Lust am Leben musikalisch auf unterschiedliche Weise ausdrücken. Mona Debus (Sopran), Andreas Balzer (Bass), Anita Emde (Violine) und Regina Zimmermann-Emde luden das Publikum zu einer Reise durch die verschiedenen Epochen der Musik ein. Die Zuhörer genossen sichtlich die entspannte Atmosphäre in der Kirche, die ihnen eine Stunde der Besinnung und des Innehaltens schenkte.

Zu Beginn erklang als eine Art musikalischer Willkommensgruß die geistliche Solokantate "Exaltabo te, domine", ein Werk des französischen Komponisten André Campra. Es ist eine Lobpreisung Gottes, die mit viel Sensibilität von Andreas Balzer und Regina Zimmermann-Emde interpretiert wurde. Um die Schönheit der Natur auf heitere Weise zu preisen, schrieb Georg Philipp Telemann seine heitere Kantate "Die Landlust". Mona Debus, Anita Emde und Regina Zimmermann-Emde gestalteten als virtuoses Trio dieses Werk, das in Wort und Musik zu einem wohltuenden und abwechslungsreichen Spaziergang durch Wald und Flur einlädt.
Von Joseph Gabriel Rheinberger waren an diesem Spätnachmittag zwei Kompositionen zu hören, bei denen der klassisch-romantische Stil des gebürtigen Liechtensteiners die Zuhörer sichtlich beeindruckte. Das Präludium aus der Suite opus 166 gestalteten Anita und Regina Emde genau so virtuos wie die Organistin und Mona Debus Kyrie, Gloria, Sanctus und Benedictus aus Rheinbergers Missa puerorum opus 62 darboten. Dabei freuten sich die Zuhörer besonders über die wunderschöne Stimme der Sopranistin, die mit viel Ausdruck und Empfindsamkeit diese Komposition zu Gehör brachte.
Louis Vierne schrieb die "Hymne au Soloeil". Musikalisch beschreibt er in diesem Werk die lebensspendende Kraft der Sonne, die uns zur Zeit geradezu verwöhnt. Die Organistin drückte mit ihrem Spiel die verschiedensten Gefühle aus, die das Tagesgestirn bei Mensch und Tier auslöst.
"Cantico di San Francesco" von Franz Liszt, die klangvolle Vertonung des Sonnengesangs des heiligen Franziskus brachten Regina Zimmermann-Emde und Andreas Balzer eindrucksvoll zu Gehör. In ihr wird Gottes Schöpfung in vielerlei Variationen ein Loblied gesungen. Die Schwester Sonne, der Bruder Mond, die Luft und die Quelle sowie die Erde, die uns Blumen und Früchte schenkt, erfahren durch diese phantasievolle, abwechslungsreiche Komposition eine gebührende Würdigung.
Am Ende des Abendständchens war Louis Viernes "Claire de Lune" (Mondlicht) zu hören, eine besinnliche Musik, die die Zuhörer nachdenklich und still werden ließ. Mit zarten Tönen, ohne besondere Höhen und Tiefen, führte die Organistin dem Publikum die Ruhe und Besinnlichkeit einer Mondnacht vor Ohren.
Es hätte keinen schöneren Abschluß für dieses Konzert geben können, das von den Besuchern mit viel Beifall für die Interpreten gewürdigt wurde.


Herborner Tageblatt, 3.8.2003

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