Heiße Rhythmen begeistern in der kalten Jahreszeit

Festliche Töne erklingen

Herborn. (pli/s). Ein außergewöhnliches Weihnachtskonzert hat am Sonntagabend viele Zuhörer in die Herborner Stadtkirche gelockt - und erfreut: Die Kantorei schlug an diesem Abend ungewöhnliche, festliche Töne an, die mit südamerikanischen Rhythmen unterlegt wurden.

Während traditionelle deutsche Weihnachtslieder eher ruhig und besinnlich sind, zeichnet sich die südamerikanische Freude über die Geburt Christi in Weihnachtsliedern durch mitreißende, temperamentvolle Rhythmen aus.

Auf dem Programm in Herborn standen am Sonntag verschiedene, mit Bedacht ausgewählte Stücke, die das Lebensgefühl der Südamerikaner auf sehr lebendige Weise ausdrückten.


Weihnachten lateinamerikanisch: Die Herborner
Kantorei bot am Sonntagabend in der evangelischen
Stadtkirche ein außergewöhnliches Konzert.

Neben der gut disponierten Kantorei begeisterten die Gesangssolisten Mona Debus (Sopran), Andreas Schwab (Tenor), Vanessa Heinisch und Michael Simon (Gitarren) sowie ein Instrumentalensemble das Publikum. Dabei ist besonders Werner Gössl (Perkussion) hervorzuheben, der durch den Einsatz von Trommel, Pauke und Becken den Kompositionen das authentische lateinamerikanische Lebensgefühl einhauchte. Die Gesamtleitung des Konzerts lag in den bewährten Händen von Kantorin Regina Zimmermann-Emde. Im Mittelpunkt des Abends stand die Misa Criolla, die Ariel Ramírez 1963 als Vertonung des katholischen Messetextes in den volkstümlichen Tanzrhythmen Südamerikas als eine faszinierende Mischung aus eigenen Melodien und traditioneller argentinischer Musik schrieb.

Wenig später komponierte Ramirez gemeinsam mit dem Dichter Felix Luna "Navidad nuestra" (Unser Weihnachten). In einer kantatenähnlichen Reihe von Liedern schildert das Werk Geschichten aus der Bibel. Jedes der sechs Lieder fasziniert durch einen anderen Rhythmus oder Tanztypus: von der zarten Anmut des "Chamamé" für die Verkündigung über die fröhlichen Klänge der "Chaya riojana" für die Ankunft der Hirten in Bethlehem bis hin zur "Vidala tucumana", die auf elegische Weise die Flucht nach Ägypten nacherzählt.

Das Programm dieses außergewöhnlichen Konzerts wurde durch Kompositionen der Spanier Enrique Granados, Máximo Diego Pujol und Alfonso Montes bereichert. Das Gitarrenduo Vanessa Heinisch und Michael Simon interpretierte virtuos diese temperamentvolle Musik, die jedoch auch melancholische Passagen aufweist. Mona Debus glänzte bei den Liedern "Pastorcito santo" und "Coplillas de Belen" von J. Rodrigo mit ihrem warmen Sopran.

Das Publikum bedankte sich am Ende des Konzerts mit lang anhaltendem Applaus.


Herborner Tageblatt, 20.12.2005, Foto: Plietzsch

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