Herborns Kantorei überzeugt mit selten gehörten Klängen

Von der "allerbesten Zeit" hören

Von Jenny Berns

Herborn (s). "Toll und wunderschön", so lauteten die Kommentare der Zuhörer nach dem Weihnachtskonzert der Herborner Kantorei. In der evangelischen Stadtkirche Herborn ließen die Sängerinnen und Sänger unter Regina Zimmermann-Emde am Sonntag besinnliche Lieder von John Rutter und Benjamin Britten erklingen und sorgten für eine weihnachtliche Atmosphäre der besonderen Art.

Der Oberstufenchor des Johanneum-Gymnasiums unterstützte die Herborner Kantorei beim Weihnachtskonzert ebenso wie das Herborner Kammerorchester und Cordula Poos an der Harfe. Das gut einstündige Konzert begann mit "A Ceremony of Carols (op. 28)" von Benjamin Britten. Der 1913 geborene Dirigent und Pianist gilt als einer der berühmtesten englischen Komponisten des vorigen Jahrhunderts. Die "Lieder" für Chor und Harfe schrieb Britten auf einer mehrmonatigen Schiffsreise. Textliche Grundlage der "Carols" ist der Gedichtband "The English Galaxy of Shorter Poems", der von Gerald Bullett ediert wurde. Stilistisch erinnern die elf "Carols" an die ebenfalls von Britten komponierte "Hymn to St. Cecilia. Die ursprünglich nicht zusammenhängenden Lieder bekamen später durch Einzug ("Procession") bzw. Auszug ("Recession"), die beide auf dem gregorianischen Wechselgesang "Hodie Christus natus est" basieren, einen musikalischen Rahmen. Die Kantorei trug die 1955 für gemischten Chor geschriebene Fassung der "Ceremony of Carols" vor. Von zarten Tönen bis hin zum fulminanten Chorgesang konnten die Sängerinnen und Sänger der Kantorei bei diesen elf Liedern überzeugen, sangen mal leise und gefühlvoll, dann wieder warm und volltönend.


Selbst die ganz hohen Töne wussten die Kantorei-Mitglieder zu meistern. Großartig war auch das Harfenspiel von Cordula Poos, das mit dem Chorgesang bestens harmonierte. Wunderschön erklangen dann die Solo-Partien von Janine Grove und Mona Debus (beide Sopran). Gerade Letztere überzeugte beispielsweise bei "Balulalow", und der eine oder andere Zuhörer meinte nach dem Konzert, dass er gern noch mehr Solo-Partien gehört hätte.

"Mehr Chor" gab es dafür bei den Stücken von John Rutter, bei denen die Kantorei sowohl vom Oberstufenchor als auch vom Leistungskurs Musik des Johanneum-Gymnasiums unterstützt wurde. Unter Leitung von Kantorin Regina Zimmermann-Emde sangen Schüler und Kantoreimitglieder neben dem zweiten Satz aus Rutters "Magnificat" noch Weihnachtsliedvariationen des Komponisten.

"Shepherd´s Pipe Carol" oder "The Very Best Time" ließen beim Publikum sichtlich festliche Stimmung aufkommen. Begleitet wurden die Sänger bei ihrem Auftritt vom Herborner Kammerorchester. Dessen Streicher spielten zudem verschiedene von Barry Carson Turner arrangierte Instrumental-Variationen bekannter englischer Weihnachtslieder, wie "God Rest You Merry, Gentlemen".
Mit dem vom Oberstufenchor und der Kantorei gemeinsam gesungenen "Christmas Lullaby" endete ein Weihnachtskonzert, das, ohne kitschige Melodien zu zelebrieren, doch für eine sehr festliche und besinnliche Stimmung unter den zahlreichen Zuhörern gesorgt hatte.

Stehender Applaus in der voll besetzten Stadtkirche sprach nicht nur für sich, sondern verpflichtete die Mitwirkenden auch noch zu einer Zugabe. "The Very Best Time" erklang, von allen Sängern gesungen, ein weiteres Mal, und das Publikum war sich einig, dass es ein Stück dieser "allerbesten Zeit" gerade erlebt hatte.

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