Musik aus vier Jahrhunderten für Gesang, Flöte und Orgel

Mona Debus, Claudia Brombach und Regina Zimmermann-Emde empfahlen sich als virtuoses Trio


HERBORN (pli) - Ein virtuoses Trio gab sich am Sonntagabend in der Herborner Stadtkirche ein Stelldichein, um den Zuhörern in einem abwechslungsreichen Konzert Musik aus vier Jahrhunderten vorzustellen. Claudia Brombach (Flöte), Mona Debus (Sopran) und Regina Zimmermann-Emde (Orgel) spannten einen Bogen von Heinrich Schütz (1585-1672) bis Jean Langlais (1907-1991). Dabei gelang es ihnen, dem Publikum die charakteristische Musik der einzelnen Komponisten durch ihr Spiel zu vermitteln.

Für die „Ouvertüre" hatte die Kantorin Johann Sebastian Bachs Toccata, Adagio und Fuge C-Dur ausgewählt. Fast wie ein Zwiegespräch klingt die 1709 komponierte Toccata, deren Höhepunkt ein Pedalsolo mit Echowirkung ist. Im Hauptsatz wechseln zwei gegensätzliche Motive, ein Adagio in a-moll, das in ein Grave mit ungewöhnlichen Akkordfolgen mündet. Mit der Fuge klingt das Werk leise aus.

Aufhorchen ließ Mona Debus, die, behutsam von der Orgel begleitet, mit ihrem ausdruckvollen Sopran das geistliche Werk "Bringt her dem Herren" von Heinrich Schütz interpretierte. Musikalisch abwechslungsreich erschließt sich den Zuhörern Präludium und Fuge F-Dur von Vincent Lübeck, der schon als 20jähriger 1674 als Organist in Stade tätig war. Die drei Musikerinnen brachten gemeinsam die Arie „Das zitternde Glänzen der spielenden Wellen" von Georg Friedrich Händel zu Gehör. Es hätte eigentlich nicht des Textes bedurft, so lebendig „malt" die Musik, wie das Licht auf dem bewegten Wasser tanzt. „Premier Prelude Profane" nannte Jehan Alain seine ideenreiche Komposition, die von Regina Zimmermann-Emde virtuos interpretiert wurde.

Eine Tragödie inspirierte Michael Tippett zu seinem Werk "A Child of Our Time". Er reagierte damit auf die Meldung, daß der 17jährige Jude Herschel Grynspan den Nazidiplomaten Ernst vom Rath in der Pariser Botschaft erschossen hatte, um mit dieser Tat auf die verzweifelte Lage seines Volkes aufmerksam zu machen. Mona Debus wußte mit ihrer modulationsfähigen Stimme die erschütternde Klage "How can I cherish my man in such days" glaubwürdig vorzutragen.
Interessant durch die verschiedensten Tempi und Rhythmen wirkt Jean Langlais Komposition „Mors et Resurrectio", die von der Kantorin mit Sensibilität zu Gehör gebracht wurde.
Zu einem harmonische Trio fanden sich Mona Debus, Claudia Brombach und Regina Zimmer- mann-Emde, um die melodische Kantate „Ich schau bloß auf Gottes Güte" von Georg Philipp Telemann anzustimmen.
Mit dem viersätzigen Konzert F-Dur von Christian Heinrich Rinck setzte Regina Zimmermann-Emde die Schlußnoten unter dieses niveauvolle Abendständchen, dessen Interpreten mit langanhaltendem Beifall gedankt wurde.


Herborner Echo, 29.4.1997, Foto: Plietzsch

zurück