Serenade im Schlosshof

Laues Lüftchen und brillante Solisten beim gelungenen Serenadenabend

H e r b o r n (pli/s). Ein lauer Abend, duftende Lindenblüten und ein vielstimmiges Vogelkonzert waren am Sonntag die romantische Kulisse für die Serenade im Herborner Schloss, zu der die evangelische Kirchengemeinde eingeladen hatte. Angesichts der idealen Bedingungen war es kein Wunder, dass der anheimelnde Schlosshof mit Musikfreunden von nah und fern gänzlich gefüllt war. Auf dem Programm - ganz im Zeichen des Bach-Jahres - standen zwei bekannte Kantaten des berühmten Komponisten.


Serenade im Hof des Herborner Schlosses: (...) in der "Bauernkantate" von Johann Sebastian Bach amüsierten
und überzeugten Mona Debus und Andreas Balzer die Zuhörer mit ihrem sängerischen und komödiantischen Können.

Zu Beginn erklang, ausgeführt von einem Kammerorchester und Solisten, die verschmitzte „Kaffeekantate", bei der Bach seine sächsische Herkunft nicht verleugnet hat, denn gerade die Sachsen sind passionierte Freunde des belebenden Getränks. Das Werk mit dem Thema „Schweigt stille, plaudert nicht" entstand wahrscheinlich 1734: Lieschen (dargestellt von Mona Debus) möchte unter keinen Umständen auf ihren geliebten Coffee verzichten. Auch als ihr der strenge Vater (Andreas Balzer) einen Mann verspricht, wenn sie endlich von diesem Laster lasse, kommt ihre Meinung nur scheinbar ins Wanken, denn am Schluss heißt es: „Die Katze lässt das Mausen nicht, die Jungfern bleiben Coffeeschwestern."

Es war für das Publikum ein Vergnügen, dem heiteren Spiel des Orchesters, den augenzwinkernden Dialogen von Mona Debus und Andrea Balzer sowie Erzähler Norbert Manthey zu  lauschen. Mit Gestik und Mimik machten sie aus dieser Kantate auch ein schauspielerisches Kabinettstückchen.

 Als Intermezzo zwitscherte vergnügt „Il cardellino", den Antonio Vivaldi belauscht und seinen Gesang in übermütige Töne gesetzt hat: Christine Post interpretierte auf verschiedenen Flöten virtuos das Tirilieren des munteren Distelfinks, dem im Schlossgarten Amseln, Spatzen und Finken lautstarke sängerische Konkurrenz machten.

Das dritte Werk des Abends entführte die Zuhörer in ländliches Milieu: Ursprünglich schrieb Johann Sebastian Bach die „Bauernkantate" als Huldigung für Carl Heinrich von Dieskau, der 1742 eine Reihe von Gütern geerbt hatte und so Einzug in Klein-Tschochau in der Nähe von Leipzig hielt. Auch bei dieser heiteren Geschichte konnten Mona Debus und Andreas Balzer mit ihrem sängerischen und komödiantischen Können überzeugen: Als Bauernmädchen Mieke und ihr Freund überlegten sie angestrengt, welche Lieder und Arien sie dem neuen Kammerherrn und seiner Frau vortragen könnten. Am Ende der Diskussion treffen sie eine kluge Entscheidung: Sie machen sich zur Dorfwirtschaft auf, wo der Dudelsack brummt. Natürlich trug auch das Orchester zum Erfolg dieser Kantate bei, die als eines der volkstümlichsten, fröhlichsten und originellsten Werke Bachs gilt.
Am Schluss gab es begeisterten Beifall für alle Akteure - und besonders für Kantorin Regina Zimmermann-Emde, in deren Händen die Aufführungsleitung gelegen hatte.


Herborner Tageblatt, 18.6.2000, Foto: Plietzsch

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